Arian de Vette

 Arian machte seine Studien an der Gerrit Rietveld Akademie in Amsterdam, mit Fokus auf Keramik in seiner abschließenden Examensausstellung. Dort wurde sein Werk von Anne Wenzel entdeckt, die ihn zu einem Folgestudium an der IKKG (Institut für Künstlerische Keramik und Glas in Höhr-Grenzhausen/Deutschland) überredete. Das Studium schloss er im Jahr 2017 nach 2 Jahren mit der Ausstellung SUBSTANCE im Ludwig Museum und Mittelrhein Museum von Koblenz ab

Jetzt, noch bevor er seine Installation im Kloster Bredelar aufbauen wird, wurde er überzeugt weiter an seiner Karriere an der Rijksacademie in Amsterdam zu arbeiten, dies ist wahrlich eine Ehre, die nicht vielen zuteilwird.

Den Begriff ‚Substanz‘ muss man, so erscheint es aus den Gesprächen mit ihm, sehr wörtlich auffassen. In all seinen bisherigen Installationen kombiniert er eigens erschaffene Werke aus Keramik mit anderen Materialien. So setzt er ‘der warmen Keramik’ das ‘kalte Plastik’ entgegen und untersucht, wie das keramische Volumen standhalten kann gegen Fotos und digitale Videos. Eine der wichtigsten Inspirationsquellen bei dieser Untersuchung ist seine Frage nach dem Verhältnis zwischen der modernen Technik und dem menschlichen Körper. Wie passen wir uns mit unseren über Jahrtausende der Evolution ausgesetzten Körper an die schnell voranschreitende Technik an: an digitale, mobile Kommunikation, rasend schnellen Verkehr, überfüllte Terminkalender und Planungen, modifizierte Nahrung und neue Energiequellen.

Während sich Tim Breukers in Bredelar mit dem dritten Thema beschäftigt, die Funktion des Klosters als heutiges Kulturzentrum, liegt es an Arian, sich mit dem zweiten Thema auseinander zu setzen, die frühere Phase, in der das Kloster zu einem Hochofen wurde und später als Konglomerat von Industriebetrieben genutzt wurde.

Natürlich lässt sich auch Arian von dem Werk Sjoerd Buismans inspirieren, das dem ersten Thema am nächsten kommt: das Kloster als Agrar- und Wissenschaftszentrum. Denn die Spannungen zwischen Technik und dem Leben spielten bereits im Mittelalter eine Rolle, als der Mensch untersuchte, wie er die Natur kontrollieren kann und auch später, als der Künstler Sjoerd Buisman in seiner Reihe unser Verhalten zu Wachstumsarten reflektiert, die in und außerhalb unseres Körpers vorkommen.

Natura 2017

Die Arbeiten von Arian de Vette

Ortsspezifische Installation in den Gewölben des Klosters Bredelar, Deutschland

In zwei Gewölberäumen des Klosters Bredelar stehen Skulpturen und (gefundene) Objekte in einer Atmosphäre aus grellem weißen Licht und milchglasähnlicher Folie. Die Installation, deren Titel 'Bredelar 2017' auf sich selbst verweist, vereint früher entstandene Arbeiten mit neuen, speziell vor Ort entwickelten Werken. Bredelar 2017 vermittelt eindrücklich das Spannungsfeld zwischen Natur und Industrie, Gegenwart und Vergangenheit vor Ort im Kloster Bredelar.
Kennzeichnend für die Arbeit von Arian de Vette ist, dass die Werke innerhalb seiner Installationen häufig durch Arbeiten unter Verwendung anderer Medientypen kontrastiert werden. So werden Keramik-Skulpturen, bei denen die fast schon archaische, ursprüngliche Qualität des Materials bewusst eingesetzt wird, mit modernen Formen der Kommunikation und Dokumentation, wie etwa Laptops und Flatscreens, kombiniert. Daraus ergibt sich ein komplexes Ganzes, das zugleich eine ‒ scheinbare ‒ Selbstverständlichkeit ausstrahlt.
Fragmentiert, oft als Element eines größeren Ganzen, und verschiedene Medien nutzend, zeigt er in seinem Werk die Verschmelzung von Themen wie Sprache, Technik und Natur sowie das Verhältnis zu unserem Körper und seiner sich schnell verändernden Umgebung. Diese wiederkehrenden Themen in seinem Werk werden intuitiv mit manipuliertem Bildmaterial aus der Umgebung in Video Loops verschmolzen. Funde, die zu Gesamtkomplexen aus Phasen führen, Übergänge, die einen ständigen Dialog in Gang setzen und hervorbringen.
Das Keramikwerk mit dem Titel 'Model for X, 2016-2017' wird innerhalb der Installation im hintersten Gewölberaum in einer neuen Anordnung gezeigt. In dem Raum selbst fällt als erstes ein architektonischer Eingriff mit einer käfigähnlichen Konstruktion auf, bestehend aus einer Kombination aus Stahl und einem Gerüst-Netz. Die Keramikskulptur, die auf eine Studie der Form des Buchstabens X verweist, hebt sich deutlich von ihrem mit Plastik überzogenen Sockel und dem grellen, industriellen Licht in dem Gewölbe ab.
Auffallend an der Installation ist auch die Verwendung eines (frühen) Abgusses in Bronze des Künstlers Sjoerd Buisman. Das Oeuvre von Buisman, das an anderer Stelle in der Ausstellung zu sehen ist, wird innerhalb der Installation im wahrsten Sinne des Wortes neu aktiviert. In einer Form von Zueignung erhält dieser Bronzeabguss eines Weidenastes in dem Werk White Willow '75'-2005, S. Buisman, 2017, eine neue Bedeutung. Dem eigentlichen Wortsinn entsprechend, festgebunden an das Werk, verläuft ein Stromkabel, über das eine grelle LED-Lampe und eine der anderen Videoarbeiten in dem Raum erleuchtet werden.
Die zwei Videoarbeiten mit den Titeln 'Past Swing' (2017) und 'Extended, Grid' (2017), die im Umfeld des Klosters und der Umgebung von Bredelar aufgenommen wurden, sind repetitiv und träge. Mit einer nahezu hypnotisierenden Wirkung beabsichtigen die Werke die Reflektion des heutigen Bredelar. Auf einer der Videoarbeiten ('Past Swing', 2017) sind die Überreste von etwas, das einem industriellen Werkzeug ähnelt, zu sehen. Gefangen in einem ewigen Ablauf bewegt sich das Bild schaukelnd hin und her. Fast scheint es, vor allem in sich selbst gefangen zu sein und so seine Geschichte und die Umgebung mitzunehmen.

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