04.04.2014 von: Jeroen Damen

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Eine Bildhauerarbeit oder eine Skulptur ist natürlich nicht bloß irgendein ,Ding'. Sie ist kein Zug, kein Gemälde und kein Foto. Sie ist kein Gebrauchsgegenstand. Man kann damit nicht durch die Gegend fahren oder eine Apfelsine auspressen. Man kann sie nicht benutzen. Eine Skulptur hat – oftmals – einen speziellen Sinn.

 Eine Bildhauerarbeit oder eine Skulptur ist natürlich nicht bloß irgendein ,Ding'. Sie ist kein Zug, kein Gemälde und kein Foto. Sie ist kein Gebrauchsgegenstand. Man kann damit nicht durch die Gegend fahren oder eine Apfelsine auspressen. Man kann sie nicht benutzen. Eine Skulptur hat – oftmals – einen speziellen Sinn.

Sculptuur als bevestiging9

David mit dem Haupt des Goliath 1586-1590, Hendrick Goltzius, Feder und Pinsel auf Papier
, h 27 cm × b 17 cm,
Kollektion
 Amsterdam, Rijksmuseum

Auf dieser Zeichnung aus dem 16. Jahrhundert sehen wir David. In der einen Hand hält er ein gewaltiges Schwert, in der anderen Goliaths riesigen Kopf, den er soeben – im Bild rechts hinten – abgeschlagen hat. Der Künstler, der diesen Entwurf für einen Kupferstich machte, Hendrick Goltzius, hatte Michelangelos David sicher einmal gesehen. Von ihm übernahm er die entspannte Haltung in leichter Grätschstellung. Dies im Gegensatz zu der gnadenlosen Aktion rechts, die David zeigt, wie er mit einem gewaltigen Schwert, mit einem Fuß auf dem Rücken des gefallenen Riesen stehend, Goliaths Kopf abhackt.

Im Unterschied zu Michelangelos Skulptur ist dieser David angezogen. Die Schleuder hängt an seiner Seite, er hält ein gigantisches Schwert (Etwa das von Goliath?) und den abgehackten Kopf des Philisters in Händen. Dies ist der David nach der Tat, während Michelangelos David vor dem Gefecht steht. Die Zeichnung ist ein David-und-Goliath-Comic in zwei Teilen. Sie ist eine Erzählung ohne Gegenwärtigkeit der Hauptpersonen.
Michelangelos Skulptur hingegen ist keine Geschichte, sondern die Präsenz des David selbst.

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lucky b one 2006, Claus-Pierre Leinenbach, Diverse Medien und Nylon, 156 x 58 x 44 cm,
Kollektion des Künstlers

Die Skulptur Lucky b one des deutschen, in den Niederlanden wohnhaften Bildhauers Claus-Pierre Leinenbach wurde für die Auftaktausstellung in Bredelar ausgewählt.
Genau wie der David steht auch Lucky b one in Grätschstellung. Allerdings sind die Beine über Kreuz und nicht so entspannt. Er, oder sie, das ist nicht deutlich, scheint genau wie der David nackt zu sein. Was aber durchaus offensichtlich ist: Diese Skulptur muss in einer gewissen Anspannung verharren, um aufrecht stehen bleiben zu können.

sculptuur als bevestiging12Beim David wurde deshalb ein Baumstumpf als Stütze hinter seinem rechten Bein angebracht. Claus-Pierre hingegen lässt einfach einen Teil seiner Konstruktion sehen: Eisenstangen, worauf die ganze Masse lastet. Beide Skulpturen haben einen Leib. Beide haben Öffnungen zwischen Körper und Armen. Der David steht aufrecht, Lucky b one hingegen ist leicht in der Hocke. Und beide führen ihre Bedeutsamkeit schlicht darauf zurück, dass es sie gibt, dass es sie wirklich gibt, während wir uns der Tatsache bewusst werden, dass es uns ja auch gibt, dass es uns eigentlich dank dieser Skulpturen gibt. Weil sie einen Sinn haben, den wir vielleicht nicht unmittelbar verstehen, dessen Existenz wir jedoch spüren. Einen Sinn, der nichts mit dem des Zuges oder der Zitruspresse zu tun hat. Einen Sinn, der uns auf die Suche schickt, und zwar nicht nach Gebrauchswerten, sondern nach einer möglichen Bedeutung.

Beide sind Körper. David zu schön, um wahr zu sein, Lucky zu unglücklich, um wahr zu sein. In diesen Körpern erwarten wir, genau wie in unserem eigenen Körper, einen Geist. Etwas, das mehr ist als das, was man in Zügen oder Zitruspressen findet. Aber was ist das? Suchen wir einen Geist, Verstand, eine Seele, ein Gefühl, einen Charakter oder eine Emotion? Auf jeden Fall etwas, das wir vielleicht nicht direkt sehen können – genau wie bei uns selbst – das es aber trotzdem gibt: Ein Wesen. Nicht nur ein Sein, sondern einen Hinweis, eine Bestätigung einer speziellen Eigenheit. Über dieses Wesen, mit welchem wir auch unsere Eigenheit bestätigen, werden wir noch häufiger sprechen.

    über Claus-Pierre Leinenbach